Raus aus dem Schatten der Pappel
"Zubi" war Torwart der letzten Athletic-Meistermannschaft
Als Torwartlegende José Ángel Iribar 1979 nach 18 Spielzeiten im Athletic-Trikot seine Karriere beendet, beginnt in Bilbao das Torwart-Roulette. Nach und nach wird deutlich, dass der Schatten von „El Txopo“ (die Pappel) länger und länger wird. In den beinahe 40 Jahren von 1942 bis 1979 stehen ganze drei Schlussmänner zwischen den Pfosten von San Mamés: Lezama, Cedrún und Iribar. Sie stehen für einen unspektakulären, nüchternen Stil – Showeinlagen sind in Bilbao seit jeher verpönt.
Als mit Andoni Zubizarreta ein 20-jähriger Jüngling, von Deportivo Alavés verpflichtet und zunächst in der Athletic-Reserve eingesetzt, die Lücke füllen soll, herrscht zunächst Skepsis. Aber „Zubi“ ist groß, kräftig, unspektakulär und trotz seiner Jugend resolut. Bereits in seinem zweiten Jahr und mit zarten 21 Jahren holt Zubizarreta mit Athletic den Meistertitel, den ersehnten ersten seit 27 Jahren. Jede einzelne Minute spielt er in jener Saison. 1983/84 folgt das Double aus Meisterschaft und Copa, wieder spielt er jede Sekunde und muss nur 30-mal hinter sich greifen. Lediglich um einen Treffer besser ist das Torverhältnis von Athletic in der Liga gegenüber dem punktgleichen Zweitplatzierten Real Madrid, beim Veteranen Miguel Ángel (37 Jahre) im Kasten der Blancos schlägt es allerdings 37-mal ein. Zubi ist Gegenwart und Zukunft von Athletic, dafür sprechen auch die Statistiken.
Die Spielzeit 1985/86 wird schließlich ohne Titel beendet und markiert das Aus für Zubi bei Athletic, obwohl er mit 31 Gegentoren die beste Bilanz aller Torhüter der Liga aufweist. Sein Vertrag läuft nach der Saison aus. Im Sommer steht die Weltmeisterschaft in Mexiko an, seine Zukunft möchte er davor geklärt sehen. Zubis Forderungen an Athletic lauten: Ein Vierjahresvertrag und 25 Millionen Peseten (etwa 150.000 Euro) Gehalt pro Saison, berichtet „El País“. „Dieser Betrag erscheint der Führungsriege in Bilbao maßlos“, so das Blatt am 3. Mai 1986, „da man davon ausgeht, dass dies einen Präzedenzfall innerhalb des Kaders schaffen könnte.“
Nutznießer der Situation wird letztendlich der FC Barcelona. Die Katalanen suchen bereits seit einiger Zeit nach einem Schlussmann. „Barça kam auf mich zu und teilte mir mit, dass man mich verpflichten wolle“, so Zubizarreta 2018 gegenüber „Marca“. „Ich sagte ihnen, dass sie mit Athletic sprechen müssten. Da waren sie überrascht, weil ich ja keinen Vertrag mehr hatte. ‚Andoni, warum sollen wir deinen Verkauf verhandeln, wenn dein Vertrag ausläuft?‘, fragten sie mich. Für mich war es aber unvorstellbar, etwas anderes zu tun. Ich war entspannt und rechnete mit einem deutlichen ‚Nein‘, aber dem war nicht so: ‚Andoni, wir brauchen Geld, du musst nach Barcelona gehen', hieß es."
Barça bietet Zubizarreta einen Achtjahresvertrag mit 45 Millionen Peseten Gehalt pro Jahr und Athletic eine Ablöse in Höhe von 150 Millionen Peseten plus die Übernahme aller Kosten des Transfers des Osasuna-Torwarts Biurrun. „Wir unterschrieben den Vertrag in Saragossa und auf der Heimfahrt war ich traurig“, so Zubizarreta. „Viel mehr Geld würde ich bekommen, acht Jahre Vertrag. Aber ich hatte eine klare Vorstellung, ich wollte der Iribar der 80er und 90er werden.“
Mit dem Wechsel nach Barcelona tritt Zubizarreta unfreiwillig und endgültig aus dem Schatten der Pappel heraus. 18 Saisons spielt er schließlich in der Primera División, genauso viele wie Iribar, jeweils fünf bei Athletic und Valencia und acht beim FC Barcelona. Mit 622 Ligaeinsätzen ist er spanischer Rekordhalter und verzeichnete rund 160 Partien mehr als sein Vorbild.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen