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Wer darf, wer durfte und wer wird dürfen?

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  Mit eigener Jugend und Fans braucht man keine Importe, meinen viele Athletic-Fans Im Jahr 2020 stirbt – weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit – ein großer spanischer Fußballer am Coronavirus. Der 1938 in der damaligen Kolonie Äquatorialguinea geborene Miguel Jones kommt im Alter von fünf Jahren nach Bilbao, wo er gemeinsam mit sechs Geschwistern aufwächst. Fußballerisch macht er in den 1950er-Jahren bei diversen Amateurklubs der Stadt auf sich aufmerksam. Athletic-Coach Ferdinand Daučik findet schnell Gefallen an ihm. Himmel und Erde habe der Slowake in Bewegung gesetzt, um den Klubpräsidenten Enrique Guzmán davon zu überzeugen, ihn verpflichten zu dürfen, so sagt Jones selbst. Er trainiert sogar rund einen Monat mit der Mannschaft in San Mamés und bestreitet ein Freundschaftsspiel für Athletic. Aber die Kluboberen verweigern seine Verpflichtung. Die Klubphilosophie habe zu seiner Zeit vorgeschrieben, dass alle Spieler in der Provinz Bizkaia geboren sein m...

Die Abenteuer der "Euzkadi"

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Im Jahr 1937 lässt der faschistische General Mola Bilbao bombardieren und Hitlers Legion Condor legt bei einem Luftangriff Gernika in Schutt und Asche. Der baskische Regionalpräsident José Antonio Agirre will sich dennoch um keinen Preis geschlagen geben. Zur Verteidigung gründet der Lehendakari eine baskische Armee. Er lässt über 30.000 Kinder zum Schutz vor den Angriffen nach Frankreich, Belgien oder die Sowjetunion evakuieren. Für diese Unterfangen benötigt er jedoch Geld und das wird mit Fortschreiten des Krieges immer knapper. Kreative Ideen zur Mittelbeschaffung sind gefragt. Agirre, der selbst von 1921 bis 1926 als Spieler beim Athletic Club aktiv war, will sich die Popularität des Fußballs zunutze machen. Er gründet eine baskische Nationalmannschaft und versammelt die 20 besten (und aufgrund der Situation verfügbaren) baskischen Spieler. Sieben Akteure des Athletic Club sind dabei, darunter „das rote Geschoss“ Guillermo Gorostiza, damals der Star auf der linken Angriffsseite. ...

Der "Fall Bibi" - Warum eine Deutsche bei Athletic spielen darf

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  Bleibt bis 2025: Bibiane Schulze Jahrzehntelang war sie ein ungeschriebenes Gesetz, aber seit einigen Jahren ist die Klubphilosophie von Athletic auch auf der Website des Klubs verschriftlicht: „Die Gesamtheit der Fußballer des Athletic Club wurde in Euskal Herria geboren oder dort ausgebildet“, heißt es dort.  Dies umschließt selbstverständlich auch die Frauenmannschaften des Klubs, die seit rund 20 Jahren aktiv sind. 2019 dringt durch, dass Athletic Bibiane Schulze Solano   für seine zweite Mannschaft verpflichten will. Die Spielerin ist im Taunus geboren und wurde beim 1. FFC Frankfurt ausgebildet. Ihr Vater ist Deutscher und ihre Mutter Baskin aus einem Dorf unweit von Bilbao. Sie besitzt die deutsche und die spanische Staatsangehörigkeit. Als die geplante Verpflichtung öffentlich wird, stürzt sich die Presse beider Länder, von „El País“ über „Marca“ bis hin zu „11 Freunde“ und die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, auf das heiße Eisen Klubphilosophie. Nehme man di...

Der lange Schatten der Pappel

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Die größte aller Vereinslegenden: José Ángel Iribar Am 5. Juni 2013 wird „El Txopo“ noch einmal eingewechselt. Im schwarzen Torwartdress läuft er unter Standing Ovations aufs Feld, der Jubel ist ohrenbetäubend. Mit seinen damals 70 Jahren hat er nur wenig von der Figur eingebüßt, die ihm seinen Spitznamen einbrachte: schlank und hochgewachsen, die Pappel. Arme wie Äste, die in jede Ecke des Tores zu wuchern scheinen. Der Albtraum ganzer Generationen von Gegenspielern: Puskás, Netzer, del Bosque. Für José Ángel Iribar ist es ein besonderer Tag. Nicht nur, weil er mit 70 Lenzen noch einmal für ein paar Minuten das Tor in einem Freundschaftsspiel für Athletic in San Mamés hüten darf. Es ist das allerletzte Spiel in der alten „Kathedrale“ – wenige Monate nach dem Abschiedskick gegen eine baskische Regionalauswahl zieht Athletic in den neu errichteten, modernen Fußballtempel. Im alten Stadion hat Iribar 18 Saisons gespielt, seine gesamte Profikarriere – ein One-Club Man. Fast ...

Iribars Tränen und Alptraum Falcao

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Auf den eigenen Nachwuchs setzen, nur auf lokale Spieler bauen, dazu den richtigen Trainer auf der Bank. Mit diesem Konzept kann auch im Fußballgeschäft des 21. Jahrhunderts der ganz große Wurf gelingen – sogar in Europa. Das alles und nicht weniger sollen die Athletic-Spieler am 9. Mai 2012 unter Beweis stellen. Obendrein soll natürlich noch der Titelhunger der Fans gestillt werden. 35 Jahre sind vergangen seit dem letzten internationalen Finale, dem ersten der Vereinsgeschichte, das 1977 mit einer Niederlage gegen Juventus Turin endet. Die letzte Meisterschaft und der letzte Pokalsieg feierte man vor fast 30 Jahren. Diesmal muss der Titel her. Am Tag nach dem Finaleinzug hatte Mittelfeldakteur Javi Martínez getwittert: „Gestern ist mir die ganze Tragweite dessen, was wir erreicht hatten, bewusst geworden, als ich in die Kabine kam und die Tränen eines gewissen JOSE ANGEL IRIBAR gesehen habe.“ Wenn die größte aller Klublegenden ein paar Freudentränen verdrückt, dann musste wirklic...

"Heynckes ist immer ein Gewinnertyp gewesen"

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Förderer und Star: Coach Heynckes mit Zögling Guerrero Julen Guerrero, Athletic hatte 1983 und 1984 die Meisterschaft gewonnen, befand sich aber 1992 in einer enormen Krise. Zu jenem Zeitpunkt taucht Heynckes auf und setzt auf die Jugend. Ja, die Vorsaison [1991/92] war ziemlich hart, wir waren unten in der Tabelle, hatten nicht wirklich gegen den Abstieg gekämpft, aber beinahe. Heynckes kam einige Monate früher, um sich anzuschauen, wie die Dinge liefen, um den Klub kennenzulernen, sich Spiele anzusehen, auch der Reserve und vielleicht auch einige der A-Jugend ... Ich glaube, er hat sich alles angeschaut und soweit ich weiß waren seine Kommentare zu meiner Person sehr positiv. Er berief mich zur Vorbereitung, aber da musst du natürlich auch eine Reaktion zeigen. [...] Heynckes war definitiv ein Trainer, der meiner Meinung nach alles ein wenig revolutioniert hat, da Athletic vorher für einen direkteren Fußball, mehr fürs Kämpfen, stand. Er war ein Trainer, der Sachen ändern wollte, o...

Vom "Roten Geschoss" zum "Blindgänger"

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Den Ball nicht in den Fuß spielen, so lautet die Ansage von Fred Pentland. Der englische Starcoach will 1929, bei seiner zweiten Amtszeit beim Athletic Club, die unglaubliche Schnelligkeit von Guillermo Gorostiza nutzen. Für sein Mittelfeld gilt daher die Vorgabe, das Leder stets einige Meter in den Lauf des Linksaußen zu passen. Gorostiza zündet den Turbo und nur die wenigsten können ihn aufhalten. Der Legende nach läuft er so schnell, dass die rot-weißen Streifen des Trikots zu einem Rotton verschwimmen, daher sein Spitzname: „La bala roja“, das rote Geschoss.  In seiner Jugend plagt Gorostiza ein Problem – genau genommen sind es zwei: Vom Lernen hält er wenig bis nichts: Er kickt lieber, statt die Schulbank zu drücken. Sein Vater wiederum, ein angesehener Arzt in Bilbao, hält wenig bis nichts vom Kicken. So wenig, dass er seinen Sprössling zur Strafe nach Buenos Aires verschifft. Dort hält der es jedoch nicht lang aus, kommt auf dem Rückweg fußballerisch bei Racing Ferrol i...

Verein durch und durch – seit 1898

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Hat mehr "Untergebene" als der Fürst von Liechtenstein: der aktuelle Klubpräsident Jon Uriarte Seitdem sich vor über einem Jahrhundert Juan Astorquia und seine Freunde im Café Garcia versammelten, um die Gründung des Athletic Club zu beschließen, hat sich seine Rechtsform als Verein nicht verändert. 33 Gründungsmitglieder sind es seinerzeit, im Jahr 2022 zählt der Klub über 43.000 Mitglieder. Im spanischen Profifußball gibt es nur drei weitere Klubs, die nach wie vor Vereine sind: der FC Barcelona, Real Madrid und CA Osasuna. Allen übrigen Klubs der Profiligen wurde bereits Anfang der 1990er-Jahre per Gesetz die Umwandlung in eine „Sociedad Anónima Deportiva“, eine Sonderform der Aktiengesellschaft, vorgeschrieben. CA Osasuna profitiert von einer Zusatzregelung, nach der von diesem Reglement Vereine ausgenommen waren, die in den vier Spielzeiten zuvor keine negativen Bilanzen vorzuweisen hatten. Ebenso von der Umwandlung verschont blieben die drei anderen Klubs aufgrund ihrer...

Raus aus dem Schatten der Pappel

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  "Zubi" war Torwart der letzten Athletic-Meistermannschaft Als Torwartlegende José Ángel Iribar 1979 nach 18 Spielzeiten im Athletic-Trikot seine Karriere beendet, beginnt in Bilbao das Torwart-Roulette. Nach und nach wird deutlich, dass der Schatten von „El Txopo“ (die Pappel) länger und länger wird. In den beinahe 40 Jahren von 1942 bis 1979 stehen ganze drei Schlussmänner zwischen den Pfosten von San Mamés: Lezama, Cedrún und Iribar. Sie stehen für einen unspektakulären, nüchternen Stil – Showeinlagen sind in Bilbao seit jeher verpönt.  Als mit Andoni Zubizarreta ein 20-jähriger Jüngling, von Deportivo Alavés verpflichtet und zunächst in der Athletic-Reserve eingesetzt, die Lücke füllen soll, herrscht zunächst Skepsis. Aber „Zubi“ ist groß, kräftig, unspektakulär und trotz seiner Jugend resolut. Bereits in seinem zweiten Jahr und mit zarten 21 Jahren holt Zubizarreta mit Athletic den Meistertitel, den ersehnten ersten seit 27 Jahren. Jede einzelne Minute spielt er in je...

Trikotkunde – Titanic, Tante Pauli und Werbung auf der Brust

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Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts improvisiert der junge Athletic Club eine erste Spieluniform: Weißes Shirt, weiße Hose, schwarze Stutzen. Erstmals in professionellerer Garnitur treten die Mannen aus Bilbao bei der ersten Copa del Rey im Jahr 1903 an: Das Trikot ist längsgeteilt – weiß auf der einen, dunkelblau auf der anderen Seite – Hose und Stutzen sind weiterhin schwarz.  Bis zum Jahr 1910 wird Athletic in Blau-Weiß-Schwarz (und wohl auch im selben Trikotsatz) spielen. 1909 stellt man fest, dass es langsam Zeit für eine frische Garnitur wird, und es kommt ein Student namens Juan Elorduy ins Spiel. Der junge Mann unternimmt zu Weihnachten eine Reise nach England und wird vom Klub damit beauftragt, einen Satz mit 50 Trikots zu besorgen. Der Legende nach landet Juan Elorduy schließlich in Southampton. Dort wird gerade gefeiert, dass die Titanic in Belfast gebaut wird und bald aus der südenglischen Hafenstadt auslaufen soll. Die Stadt sei in Rot und Weiß deko...

Mit Heynckes Jupp in den Europacup

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Im Sommer 1993 ist man beim Athletic Club schwer beeindruckt vom Schaffen des Trainers aus Deutschland, der die Geschicke des Teams seit genau einer Saison leitet. „Fünf Minuten Gespräch mit diesem Mann reichen aus, um deutlich werden zu lassen, welche grundlegende Maxime über seinem Fußballkonzept schwebt: die Mentalität, immer und so hoch wie möglich gewinnen zu wollen“, heißt es im Klubmagazin zur Saison 1992/93.  Nach dem Abgang des englischen Trainers Howard Kendall, der von 1987 bis 1990 die Athletic-Bank besetzt, folgen zwei unstete Jahre, die niemanden im Klub so recht zufriedenstellen. Heynckes will daher vor seiner Vertragsunterschrift im Frühjahr 1992 nicht die Katze im Sack kaufen. Er habe sich ein Spiel von Athletic bei Espanyol Barcelona angeschaut, berichtet der Trainer 2017 im Interview mit dem „Tagesspiegel“. Das sei so grauenhaft gewesen, dass er direkt abgesagt habe. Er lässt sich aber doch noch umstimmen, nachdem er zum Spiel gegen Real Sociedad eingeladen wird....

Die Symphonie von San Mamés

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Den Abend des 12. März 1980 in San Mamés wird Cristobal Machín Fernández de la Puente, Spitzname Balín, niemals vergessen. Der Athletic Club tritt in seinem Lieblingswettbewerb an, der Copa del Rey, zu jener Zeit noch als unangefochtener Rekordpokalsieger mit 23 Titeln. Im Achtelfinale wartet Real Madrid, jedoch nicht die Startruppe um Uli Stielike und Vicente del Bosque. Es ist die zweite Mannschaft der Blancos, die es überraschend in die Gruppe der letzten 16 Teams geschafft hat. Balín ist Außenstürmer bei Real Madrid Castilla. In die erste Mannschaft wird er es nie schaffen. An jenem Abend treibt er jedoch Athletic mit seinen pfeilschnellen Sturmkollegen zur Verzweiflung. Nach dem 0:0 im Hinspiel in Madrid steht Athletic unter Zugzwang, muss treffen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Castilla zieht sich weit zurück, verteidigt clever und fährt überfallartige Konter – wieder und wieder eingeleitet von Balín. Das Spiel gewinnt die Reserve von Real Madrid mit 2:1. Der Anschlusstref...

Die One-Club Men rocken sich zum Titel

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  Die Saison 2020/21 fällt in keine normale, keine einfache Zeit. Das Coronavirus hält die Welt in Atem und verdrängt gewissermaßen alles, zunächst auch den Fußball. Als der zurückkommt, sorgen die leeren Stadien für eine bedrückende Stimmung. Endspiele sind davon nicht ausgenommen. Der spanische Fußballverband RFEF hat 2020, kurz vor Beginn der Pandemie, seinen Supercopa-Wettbewerb unter dem Protest vieler Vereine, auch des Athletic Club, nach Saudi-Arabien verlegt – oder verkauft, um es beim Namen zu nennen. Die Ausgabe von 2021 wird aber dann wegen der Pandemie doch nicht im Nahen Osten ausgetragen. Das altehrwürdige Estadio de la Cartuja in Sevilla, ebenfalls Schauplatz der Endspiele der Copa del Rey, muss als Ersatzort herhalten. Und so trifft dort im Januar 2021 Athletic, das im Halbfinale Real Madrid ausgeschaltet hat, auf den FC Barcelona. Deprimierend die Aussicht, einen solchen Klassiker ohne Publikum in der weitläufigen Arena austragen zu müssen. Der Ansicht dürft...