Die Abenteuer der "Euzkadi"
Im Jahr 1937 lässt der faschistische General Mola Bilbao bombardieren und Hitlers Legion Condor legt bei einem Luftangriff Gernika in Schutt und Asche. Der baskische Regionalpräsident José Antonio Agirre will sich dennoch um keinen Preis geschlagen geben. Zur Verteidigung gründet der Lehendakari eine baskische Armee. Er lässt über 30.000 Kinder zum Schutz vor den Angriffen nach Frankreich, Belgien oder die Sowjetunion evakuieren. Für diese Unterfangen benötigt er jedoch Geld und das wird mit Fortschreiten des Krieges immer knapper. Kreative Ideen zur Mittelbeschaffung sind gefragt. Agirre, der selbst von 1921 bis 1926 als Spieler beim Athletic Club aktiv war, will sich die Popularität des Fußballs zunutze machen. Er gründet eine baskische Nationalmannschaft und versammelt die 20 besten (und aufgrund der Situation verfügbaren) baskischen Spieler. Sieben Akteure des Athletic Club sind dabei, darunter „das rote Geschoss“ Guillermo Gorostiza, damals der Star auf der linken Angriffsseite.
Lehendakari Agirre schickt das Team Euzkadi, wie es fortan heißen wird, auf eine wichtige Mission: Durch Freundschaftsspiele im Ausland sollen Mittel erwirtschaftet werden, die den Transport und die Versorgung der baskischen Exilkinder sicherstellen und eine fortwährende Verteidigung Bizkaias gegen die faschistischen Truppen ermöglichen. Den Spielern bietet Agirres Vorhaben zudem die Gelegenheit, sich trotz ruhendem Spielbetriebs auf höchstem Niveau fitzuhalten und weiter Spielpraxis zu sammeln. Das Abenteuer des mit Athletic-Spielern gespickten Team Euzkadi beginnt Ende April 1937 im benachbarten Frankreich. Der französische Meister Racing Paris wird im Prinzenpark mit 3:0 bezwungen. Es folgen deutliche Siege gegen Olympique Marseille mit 5:1 und erneut Racing Paris mit dem Ergebnis von 5:2 für die Basken. Erst im dritten Aufeinandertreffen zwischen der baskischen Auswahl und dem französischen Meister gelingt Letzterem ein Achtungserfolg beim 2:2-Remis. Die Zuschauer strömen massenweise zu den Spielen und die Mannschaft wird überall freundlich empfangen.
Unterdessen bleibt im restlichen Europa nicht verborgen, welch hervorragende Leistungen das Team Euzkadi zeigt. Schon bald folgen Einladungen aus anderen Ländern, die von den Basken dankbar angenommen werden, auch weil die Situation in der Heimat prekärer und der Kampf gegen Francos Truppen zunehmend aussichtsloser wird. Die nächste Station auf der Reise ist die Tschechoslowakei, wo das Team Euzkadi die ersten beiden Niederlagen gegen die Nationalmannschaft und eine Auswahl der Hauptstadt Prag einstecken muss. Das tut der Beliebtheit der Truppe jedoch keinen Abbruch. Über Polen geht die Reise in die Sowjetunion, die aus ideologischen Gründen die republikanischen Truppen in Spanien unterstützt. Die baskischen Spieler werden dort wie Helden empfangen und logieren in den edelsten Hotels. Es folgen Einladungen zum Ballett und in die Oper. Sogar der Besuch der heiligen Messe in der finnischen Botschaft in Moskau wird dem Team gestattet – ein besonderes Entgegenkommen im laizistischen Russland. Emotionaler Höhepunkt des Aufenthalts ist jedoch die Zusammenkunft mit einer Gruppe baskischer Exilkinder, die eins der Spiele besuchen dürfen.
In vollen Stadien spielt das Team Euzkadi seine ganze Klasse aus und es gelingen hohe Siege gegen Lokomotive und Spartak Moskau oder Dynamo Minsk. Die Überlegenheit der baskischen Auswahl schmeckt den sowjetischen Oberen allerdings ganz und gar nicht. Bei aller Unterstützung der republikanischen Causa im fernen Spanien darf nämlich auch die heimische Propaganda nicht vernachlässigt werden – und da passt eine sportliche Unterlegenheit nicht ins öffentlich vermittelte Bild. So berichtet „El País“ 2018, die sowjetische Führung habe Anweisungen erteilt, dass das Team Euzkadi unter keinen Umständen das Land ohne Niederlage verlassen dürfe. Dafür habe man alle Tricks aufgefahren, die der Geheimdienst und KGB-Vorläufer NKVD zu bieten hatte. Selbstverständlich mit der Vorgabe, dass alles unter dem Deckmantel der Gastfreundschaft zu erfolgen hat. Spioninnen hätten die baskischen Spieler umgarnt, um sie von Sportlichem abzulenken. Zudem sei an Abenden vor den Spielen zu Trinkgelagen eingeladen worden. Als Exkursionen getarnte lange Märsche sollen das Team Euzkadi im Vorfeld der Partien ermüden. Alle Bemühungen sind jedoch vergeblich, und so muss die Niederlage im letzten Spiel gegen Spartak Moskau „mit der Brechstange“ herbeigeführt werden, berichtet „El País“. Vor 90.000 Zuschauern leitet die Partie ein Spartak-Funktionär als Schiedsrichter. „Nach dem Seitenwechsel pfiff der einen Elfmeter, bei dem sogar das russische Publikum protestierte“, berichtet das Blatt. Am Ende steht ein 6:2 für Spartak, das nach dem Spiel ein Glückwunschtelegramm von Stalin persönlich erhält.
Inmitten allen Trubels erreicht das Team Euzkadi die Meldung, dass Bilbao in die Hände der Faschisten gefallen ist. Die baskische Regierung flieht ins Exil und bittet die Fußballer, trotz aller Unsicherheiten ihre Reise fortzusetzen. Dem Wunsch kommen die meisten Spieler nach, während einige von ihnen es vorziehen, zurück in die Heimat zu gehen, damit sie sich um ihre Familien kümmern können. Darunter auch die beiden Athletic-Spieler Guillermo Gorostiza und Roberto Echeverría. Auf den nächsten Stationen in Skandinavien gelingt ausnahmsweise kein Sieg gegen die Nationalmannschaften von Norwegen und Dänemark. Als alles danach aussieht, dass die Mission langsam ausläuft, beginnt jedoch das nächste große Abenteuer.
Das Team Euzkadi nimmt eine Einladung aus Mexiko an. Die Reise erfolgt per Schiff über New York und Havanna nach Veracruz. In Mexiko gelingt die Traumbilanz von zehn Siegen in zehn Spielen. Da werden auch die großen Teams Argentiniens, darunter die Boca Juniors und River Plate, auf die Basken aufmerksam und laden Team Euzkadi zu Freundschaftsspielen ein. Doch die argentinischen Behörden machen die Pläne zunichte. Dem Team wird kurzerhand die Einreise verweigert. Über Kuba, wo man in Baseballstadien klare Siege einfährt, erfolgt die Rückreise nach Mexiko. Dort fühlt man sich bestens aufgehoben. So gut, dass die Mannschaft 1938 entscheidet, an der höchsten mexikanischen Spielklasse, der Liga Mayor, teilzunehmen. Der neu gegründete Club Deportivo Euzkadi schließt die Saison als Tabellenzweiter ab.
1939 endet der Krieg daheim in Spanien mit dem Sieg der Faschisten. Die Mission von Team Euzkadi ist beendet und der Club Deportivo wird nach nur einer Saison aufgelöst. Aufgrund der politischen Lage unter Franco entscheiden sich die meisten Spieler für einen Verbleib in Lateinamerika. Viele schließen sich argentinischen Teams an, darunter auch der ehemalige Athletic-Spieler José Iraragorri, der allerdings nach einem Jahr wieder nach Mexiko zurückkehrt und dort diverse Titel gewinnt.

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