Verein durch und durch – seit 1898

Hat mehr "Untergebene" als der Fürst von Liechtenstein: der aktuelle Klubpräsident Jon Uriarte

Seitdem sich vor über einem Jahrhundert Juan Astorquia und seine Freunde im Café Garcia versammelten, um die Gründung des Athletic Club zu beschließen, hat sich seine Rechtsform als Verein nicht verändert. 33 Gründungsmitglieder sind es seinerzeit, im Jahr 2022 zählt der Klub über 43.000 Mitglieder. Im spanischen Profifußball gibt es nur drei weitere Klubs, die nach wie vor Vereine sind: der FC Barcelona, Real Madrid und CA Osasuna. Allen übrigen Klubs der Profiligen wurde bereits Anfang der 1990er-Jahre per Gesetz die Umwandlung in eine „Sociedad Anónima Deportiva“, eine Sonderform der Aktiengesellschaft, vorgeschrieben. CA Osasuna profitiert von einer Zusatzregelung, nach der von diesem Reglement Vereine ausgenommen waren, die in den vier Spielzeiten zuvor keine negativen Bilanzen vorzuweisen hatten. Ebenso von der Umwandlung verschont blieben die drei anderen Klubs aufgrund ihrer historischen Stellung und weil sie noch nie aus der Primera División abgestiegen waren. Und so gehört der Athletic Club bis heute allein seinen Mitgliedern, die über Anträge und Wahlen auf die Geschicke des Klubs Einfluss nehmen können. Eine Übernahme durch externe Investoren ist ausgeschlossen, da keine käuflichen Aktien oder Anteile im Umlauf sind.

Alle vier Jahre wird der Sitz des Klubs, der Ibaigane-Palast im Herzen Bilbaos, zum Weißen Haus – zumindest für die Mitglieder und tausende weitere Athletic-Anhänger. Denn die Präsidentschaftswahlen beim Athletic Club haben Event-Charakter. Nicht selten werden sie mit mehr Enthusiasmus verfolgt als die Bürgermeisterwahl. Monatelange Spekulationen in den Medien zu möglichen Kandidaten, deren Plänen, Projekten und Vorlieben sowie Wahlkampagnen gehören zum guten Ton. Eine der meistdiskutierten Fragen im Vorfeld ist dabei regelmäßig, welchen Trainer der Präsident „mitbringen“ wird – darunter nicht selten prominente Namen. 1994 tritt José Julián Lertxundi mit Guus Hiddink für das sportliche Projekt an, unterliegt jedoch, ebenso wie Javier González 2007 mit Vicente del Bosque. Der siegreiche Präsidentschaftskandidat prägt direkt die sportlichen Geschicke und dirigiert für mindestens vier Jahre nicht nur ein Wirtschaftsunternehmen mit Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe, sondern muss sich auch dem Fußballgeschäft und allen damit verbundenen Emotionen stellen – und hat dabei mehr „Untergebene“ als der Fürst von Liechtenstein.

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